Der FC Pipinsried – die ideale Bühne für junge Spieler

October 15, 2021

Viele dürften sich die Augen gerieben haben. Unser Neuzugang Peter Guinari wurde vom Fußballverband der Zentralafrikanischen Republik zu den Länderspielen gegen die Cap Verden und gegen Sierra Leone als A-Nationalspieler eingeladen. Viele haben sich gefragt, wie das möglich ist. Peter ist unzweifelhaft ein großes Talent. Er dürfte auch im Oktober zu zwei Länderspielen gegen Nigeria nominiert werden. Offenbar hat Peter die Späher des Fußballverbandes der Zentralafrikanischen Republik überzeugt. Was aber ist das Geheimnis der schnellen Nominierung? Die Antwort ist einfach: Peter hat von Anfang an in allen Pflichtspielen der neuen Saison gespielt. Trainer und sportlicher Leiter haben ihm das Vertrauen geschenkt. Er war daher ca. 12 Pflichtspiele auf der Bühne des Fußballs. Das war bereits ausreichend, um alle Beobachter von seinem Können überzeugen zu können. Das Geheimnis war also: Peter hat gespielt und saß nicht als Ergänzungsspieler auf der Bank. Sein Fall zeigt, wie wichtig es für jeden Spieler ist, dauernd zu spielen. Peter ist aber in Pipinsried nicht der erste und einzige Fall dieser Art.

Wir erinnern uns an den Spieler Noel Knothe, der von der U19 von Eintracht Frankfurt zum FC Pipinsried gewechselt ist. Noel ist dann nach einem halben Jahr weiter gewechselt zum FC Nürnberg 2. Es hat nur ein halbes Jahr gedauert, dann hat er einen Profi-Vertrag unterschrieben. Die Gründe waren die Gleichen wie bei Peter Guinari. Niemand konnte die Gründe besser auf den Punkt bringen, als Noel selbst. In einem Interview ergab sich folgender Dialog: Frage: „Wäre ein Wechsel in die 2. oder 3. Liga nicht auch möglich gewesen?“ Antwort: „Das wäre auch machbar gewesen, ich wollte aber sichergehen, dass ich spiele. Trainiert habe ich in den letzten Monaten genug. Ich muss nun spielen, um mich weiter zu entwickeln. Beim FC Pipinsried bekomme ich die Möglichkeit, immer zu spielen. Wenn es nicht gut läuft, kann es aber sein, dass ich in der 2. oder 3. Liga auch auf der Bank sitze. Das wollte ich vermeiden.“ Spielpraxis ist vor allem auch deswegen wichtig, weil die körperliche Härte aus Sicht der Spieler, welche die U19 verlassen, der wichtigste Unterscheid zum Jugendfußball ist. Wer nicht oder kaum spielt, braucht für diesen Anpassungsprozess deutlich länger.

Die nötige Härte lernen die jungen Spieler in der Regionalliga. Nebenbei bemerkt: Es kann auch nicht schaden, wenn der junge Mann einen eigenen Hausstand bezieht, sich erkundigen muss, wo der nächste Supermarkt ist, lernen muss, dass Streitigkeiten in einer Beziehung normal sind und trotzdem Leistung gefordert wird im Fußball. Vereinfacht zusammengefasst: Sein eigenes Leben selbst organisieren muss und nicht alles abgenommen bekommt. Auch das macht den Jüngling zum Mann.

Aber mit Guinari und Knothe ist es nicht getan: Auch für Kasim Rabihic war Pipinsried die Bühne, um dauerhaft nach oben zu kommen. Kasim hat zwar vor Pipinsried bereits in guten Oberligamannschaften und Regionalligamann-schaften gespielt, aber der Durchbruch zu einem Leistungsträger gelang ihm erst in Pipinsried. Er ist in Pipinsried leistungsmäßig „explodiert“. Dann ging er zu Türk Gücü. Dort hat er sich auch weiterentwickelt. Mittlerweile spielt er beim SC Verl in der 3. Liga. Er hätte die Fähigkeiten, mindestens eine Liga, wenn nicht zwei Ligen höher zu spielen. Kasim ist als Spieler ein Spätentwickler. Dies ist der Grund, warum er „nur“ beim SC Verl spielt und nicht in der 1. und 2. Bundesliga. Offenbar verstehen viele Scouts nicht, dass Kasim sein Leistungslimit noch nicht erreicht hat. Kasim ist in Pipinsried viel besser geworden, als er vorher war. Auch für Kasim war Pipinsried die Bühne, die er brauchte. Er ist dann in München bei Türk Gücü noch besser geworden, als er war. Und das Gleiche gilt für den SC Verl. Aber auch für Kasim war Pipinsried ein Sprungbrett.

Das Gleiche gilt auch für den Spieler Ünal Tosun. Er ist zur Überraschung vieler mehr oder minder Stammspieler in der 3. Liga bei Türk Gücü. Das haben ihm nicht viele zugetraut. Ünal war aber immer ein vorbildlicher Sportsmann und immer sehr ehrgeizig. Das hat sich ausgezahlt.

Pipinsried war aber nicht nur eine Bühne für Spieler, sondern auch für Trainer und sportliche Leiter.

Der Aufstiegstrainer Fabian Hürzeler ist zwischenzeitlich Co-Trainer beim FC St. Pauli in Hamburg. Er wird den Sprung in die Profiligen als Cheftrainer schaffen. Sein Talent hat sich auch in Pipinsried entwickeln können. Fabian bildete mit Roman Plesche ein kongeniales Duo. Beide waren miteinander befreundet. Das hinderte sie nicht daran, in der Sache oft unterschiedlicher Meinung zu sein. Gerade daraus hat sich eine Dynamik entwickelt, die Fabian zum Aufstiegstrainer gemacht hat. Deswegen wurde er auch für höherklassige Vereine als Trainer sehr interessant.

Das Gleiche gilt für Tobias Strobl. Tobias ist mit unserer Mannschaft zwar nicht aufgestiegen, er hat aber mit dem Verein durch sein Auftreten große Schritte nach vorne gemacht. Er ist nicht zuletzt auch wegen Pipinsried in höheren Klassen als Trainer angekommen. Er ist ein herausragendes Trainertalent. Wie auch Fabian Hürzeler, konnte Tobias gut motivieren. Legendär ist folgende Begebenheit: Ein Spieler trainierte zur Probe mit. Nach dem Training wurde er gefragt, wie es war. Seine Antwort lautete: „Ich kannte den Verein nicht bis heute nicht. Ich ging dann in die Kabine zum Umziehen vor dem Training. Dort hielt der Trainer Strobl eine kurze Trainingsansprache. Nach dieser Ansprache des Trainers wollte ich schon meinen letzten Blutstropfen für diesen Verein opfern.“

Der zweite Macher des erstmaligen Aufstieges in die Regionalliga (und auch zu einem sehr großen Anteil der Macher des zweiten Aufstieges) war Roman Plesche als sportlicher Leiter. Roman kannte Spieler, die sonst keiner kannte. Fallen Torhüter während der Saison aus, ist es schwierig, adäquaten Ersatz zu verpflichten. Bei uns sind sogar einmal zwei Torhüter ausgefallen. Der Bedarf an Torhütern war daher groß. Wer kannte Torhüter? Niemand kannte Torhüter. Aber Roman kannte sogar zwei Torhüter. Auch für Roman war Pipinsried Grundlage für eine Karriere, die er derzeit in der dritten Liga macht und in höheren Ligen weitermachen wird. Auch für ihn gilt also: Pipinsried war die Bühne, die ihm geholfen hat, Karriere zu machen.

Aber es gibt auch umgekehrte Wege, die nach Pipinsried führen. Der Verein hat schon angeboten und bietet weiter an, Fußballprofis, die am Ende ihrer Karriere stehen, und es sich nicht leisten können, 40 Jahre lang nichts mehr zu arbeiten, dadurch zu unterstützen, dass diesen Spielern Lehrstellen vermittelt werden. Das geschah z.B. bei Fabian Müller, der als Profi jahrelang in der zweiten Liga gespielt hat. Er hat das Angebot aufgegriffen und dem Verein beim Aufstieg geholfen.

Die Regionalliga ist also für junge Talente gerade die richtige Liga, um nach oben zu kommen. Es ist schwierig, die genaue Zahl zu ermitteln, aber selbst aus der Regionalliga Bayern sind im letzten Jahren mehr als 20 Spieler (nimmt man die Spieler von Bayern München dazu, deutlich mehr) in die 3.- 1. Liga gewechselt. Die Regionalliga bietet daher für junge Spieler die richtige Bühne, um in den berufsmäßig ausgeübten Fußball zu kommen.